Kapitel 2 Die Leser der Seite

2.1 Wer sind die Leser Ihrer Seite?
2.2 Definition der Zielgruppe
2.3 Erfinden Sie Szenarien

 

Wer sind die Leser Ihrer Seite?
Nachdem Sie Einvernehmen über die Ziele der Seite erzielt haben, ist der zweitwichtigste Schritt in der Entwicklung Ihrer Informations-Architektur zu bestimmen, für wen diese Seite gedacht ist, wer sind die Leser, was für ein Publikum wartet auf Ihren Internetauftritt? Dieser Schritt ist für den Erfolg der Webseite unschätzbar wichtig, trotzdem wird er oft übergangen. Viele Entwickler machen sich nicht die Mühe darüber nachzudenken, welche Art von Personen die Webseite benutzen wird. So stellt sich natürlich hier auch wieder etwas überspitzt die Frage, wie können Sie guten Gewissens eine Webseite erarbeiten, wenn Sie gar nicht wissen, wer sich diese ansieht?

Einige Entwickler denken, ihre Leserschaft definiert sich über die Technologie, die benutzt wird, um auf die Seite zu zugreifen. Diese Annahme zielt ins Leere. Das  user ein 56k Modem benutzten oder einen 4:3 Monitor mit geringer Auflösung mag so sein, ist  ein  technischer Teilaspekt auf den Sie ggf. Rücksicht nehmen müssen, sagt aber nichts aus über Intentionen, geweckte Neugier oder Erwartungen der Leser.

Eine sorgsam erarbeitete Zielgruppendefinition besteht mindestens aus den Beschreibungen: Wer sind die user, was sind ihre Ziele und welche Anforderungen, Erwartungen haben sie? Hier ist es sinnvoll Sie motivieren Ihre Ansprechpartner, Szenarien zu kreieren oder sog. user stories, um sich die Leserschaft besser vorstellen zu können.

Ähnlich wie bei der Definition der Ziele suchen Sie sich wieder Ihre Ansprechpartner und überlegen sich, wie viel Zeit Sie für diesen Schritt haben, d.h. welchen formalen oder nicht formalen Weg Sie beschreiten. Bei diesem zweiten Anlauf dürfte es schneller vonstatten gehen, man kennt sich ja bereits und, unbestreitbar, Sie entwickeln Routine. Die Ansprechpartner sollten dieselben sein wie in dem ersten Prozess, Ihre Gewichtung der Aussagen legen Sie diesmal mehr auf die Ideen der Personen, die viel mit dem Kundenverkehr der Organisation beschäftigt sind. Marketing-Mitarbeiter haben eigentlich immer eine gute, differenzierte Meinung zu den typischen Kunden eines Unternehmens. Vergessen Sie nicht die griesgrämige Sachbearbeiterin der Beschwerdeabteilung nach typischen Kunden zu fragen. Als Einzelkämpfer ist wieder Ihre Phantasie des Rollenspiels gefragt - nun mittlerweile haben Sie ja schon etwas Übung in  Selbstgesprächen!

 

Definition der Zielgruppe

Sie haben bereits in dem ersten Schritt, Fragen zu den Lesern gestellt. Nun können Sie diese Antworten hernehmen als Basis für weitere mögliche Lesergruppen. Fügen Sie möglichst viele Kunden-, Interessens-, Schaulustige-Gruppen Ihrer Liste hinzu, strapazieren Sie Ihre Ansprechpartner, wer ist noch interessiert an der Info, die angeboten werden soll?. Wird die Liste zu lang, unterteilen Sie wieder in Kategorien.
Gehen Sie differenziert vor:
Angenommen Sie entwickeln eine Seite mit der gebrauchte Autos verkauft werden sollen. Die Kunden(Leser)-Kategorien könnten Käufer, Verkäufer, Händler und Sonstige sein. Käufer könnten Personen sein, welche ein Auto sofort brauchen, oder solche die voraus schauend für die nächsten Monate planen, solche die generell interessiert sind und auf eine gute Gelegenheit, ein Schnäppchen warten oder diejenigen die noch warten müssen bis sie in den Genuss der Abwrackprämie kommen.  Sonstige könnten Lesergruppen sein, die Interesse an dem Unternehmen haben, vielleicht als Investor, oder als Jobsucher oder aus Hobby, Informationen über Autos sammeln.

Wenn Sie jeden Ihrer Ansprechpartner darum gebeten haben eine persönliche Gewichtung der Lesergruppen vorzunehmen, denken Sie daran auch Ihre persönliche Einschätzung über die Gewichtungs-Motivation Ihrer einzelnen Befragten  zu notieren. Sie erstellen aus den Ergebnissen eine nächste Liste, welche die Reihenfolge der wichtigsten Zielgruppen zeigt.

Je nach Zeitvorgabe können Sie diesen Schritt mit den Nächsten kombinieren oder separat erfolgen lassen, denn nun bitten Sie Ihre Ansprechpartner für die aufgelisteten Zielgruppen jeweils die wichtigsten Ziele, Anforderungen zu beschreiben, die diese ihrer Einschätzung nach an die Webseite stellen werden. Auch diesen Schritt sichern Sie noch mal ab und fragen in einem weiteren Durchlauf nach einer Bewertung, der genannten wichtigsten Ziele für die jeweiligen Zielgruppen.

Nun, nach dieser vielleicht etwas mühseligen statistischen Erhebung haben Sie sich ein wenig Spaß verdient.

 

Erfinden Sie Szenarien (user stories)
Szenarien sind Geschichten, die Ihnen die Erlebnisse der Leser Ihrer Seite vor Augen führen sollten. Sie erzählen Ihnen mehr über Ihre Leser und deren Absichten und wie sie sich Ihre Seite vorstellen. Diese Szenarien geben Ihnen auch wertvolle Aufschlüsse über die Erwartungen der Leser an das Design, die Benutzerfreundlichkeit und die Interaktionswünsche.

Nutzen Sie die vorliegenden Definitionen Ihrer Zielgruppe und stellen Sie eine Gruppe von jeweils einem typischen Vertreter einer Zielgruppe zusammen. Abhängig von der geplanten Größe der Seite bestimmen Sie die Anzahl der typischen User für die Sie sich eine Geschichte ausdenken. Normalerweise reichen 3-6 User stories aus für eine gute Basis, allerdings haben Sie weitere Differenzierungen der User Möglichkeiten im Sinn, z.B. bezüglich der Interaktionen und dem korrespondieren Rechte- und Rollen System, kommen Sie schnell auf bis zu 20 stories.

Für jeden erdachten typischen User schreiben Sie ein Szenario. Geben Sie zunächst dem User ein Gesicht oder Charakter und einen Namen, beschreiben Sie seinen beruflichen Hintergrund und geben Sie ihm eine Aufgabe, die er auf Ihrer Seite erfüllen soll. Wählen Sie eine Aufgabe aus Ihrer Liste der wichtigsten Ziele und Erwartungen der Kundengruppen. Nun nutzen Sie Ihre Vorstellungskraft und schreiben eine Geschichte,  wie Ihr User die Webseite in Angriff nimmt um sein Ziel zu erreichen. Da Sie ja bereits eine gewisse Vorstellung haben wie Ihre Seite aussehen könnte, notieren Sie einfach alles was den User auf seinem Weg begleiten könnte: die geschmackliche Bewertung des angedachten Designs, die Orientierungssuche in der Benutzerführung, Navigation, sein Hochgeschwindigkeits- klicken  durch die Willkommensseite und Begrüßung, die kurze Abschätzung des Profilbildes des lächelnden Geschäftsführers, das sorgsam oder nicht Durchlesen  der AGB, der mürrischen Akzeptanz einer E-Mail Eingabe Aufforderung, um an die wirklich interessanten Seiten zu kommen.

Alle diese möglichen Entgegenkommnisse oder Stolpersteine auf dem Weg Ihres Users zu seinem ersehnten Ziel geben Ihnen unschätzbare Hinweise für den Aufbau, die Benutzerführung Ihrer Seite. Diese Szenarios zu schreiben ist nicht schwer, binden Sie Ihre Kunden mit ein, es macht Spaß! Aber sein Sie gewarnt es kann auch recht zeitaufwändig sein.

Ihrem Design Dokument Plan A fügen Sie nun hinzu:

Design Dokument Plan A

2. Die Leser der Webseite:

2.1 Zielgruppendefinition kurze Zusammenfassung,
2.2 Rangfolge d. Hauptzielgruppen, ggf. Kategorisierung
2.3 Szenarios (2-3 Szenen typischer user Ihrer Webseite)